VividVisions

by Walter Krivanek

TextMate + CSSEdit + Transmit + SubEthaEdit = Coda?

Man nehme eine Handvoll beliebter Mac Applikationen, werfe sie zusammen in einen Topf, streue eine Prise GUI darüber und voilà: Coda ist serviert?!

Panic präsentiert mit Coda ein weiteres Werkzeug für Web-Entwicklung. Ist es eine eierlegende Wollmilchsau oder nur eine billige Kopie von bereits vorhandenen Tools?

Neugierig wie ich bin, habe ich mir Coda gleich zu Gemüte geführt.

Auf den ersten Blick präsentiert sich Coda aufgeräumt und intuitiv. Optische Gimmicks wie z.B. in der Sites-Ansicht runden das erste Erlebnis schön ab und der Designer in mir freut sich schon auf mehr. Hat man Erfahrungen mit Tools wie z.B. TextMate, Transmit und Dreamweaver kann man gleich loslegen. Englische (oder japanische) Sprachkenntnisse werden derzeit noch vorausgesetzt, ich gehe aber davon aus, dass andere Sprachen folgen werden.

Coda Screenshot 1

Navigation

Panic hat Transmit quasi in eine Seitenleiste gepresst und obendrein noch schneller gemacht. Entgegen meinen Erwartungen ist das Navigieren dank eines Mitteldings zwischen Spalten- und Listenansicht mit aufklappbaren Ordnern sehr leicht und schnell. Klickt man auf das Dreieck neben dem Ordner, öffnet sich dieser wie gewohnt und man sieht beide Ebenen. Klickt man doppelt auf ihn, springt man eine Ebene hinunter und man sieht nur noch seine Inhalte. In der Zeile über dem Ordner-Inhalt kann man jederzeit den gesamten Pfad zurücknavigieren.

Die höhere Geschwindigkeit macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn man direkt am Server arbeitet und kaum einen Unterschied zum lokalen Arbeiten merkt. Breitband vorausgesetzt, versteht sich. ;-)

Sites

Unter diesem Punkt kann man seine Websites mit deren URLs, Pfaden und Verbindungseinstellungen konfigurieren. Die einzelnen Sites präsentieren sich wunderschön als festgeklebte Screenshots und die Handhabung erinnert sehr an das Dashboard mit seinen Widgets. Ist alles korrekt eingerichtet, kann man schon damit arbeiten.

Editor

Der Editor bietet eigentlich fast alle Features, die man sich erwartet. Syntax Highlighting, Auto-Vervollständigung, Tag-Balancing, u.v.m. Praktisch kann auch der Blockedit Modus sein, wo Änderungen automatisch in jeder Zeile des markierten Bereichs wirksam werden.

Coda Screenshot 2

Allerdings ignoriert Coda bei der Auto-Vervollständigung (noch) den eigenen Code, d.h. anders als bei TextMate kann man z.B. nicht die eigenen Funktions- oder Variablennamen vervollständigen lassen.

Das Fehlen eines WYSIWYG-Editors á la Dreamweaver stört mich absolut nicht, da man damit nie so präzise arbeiten kann, wie direkt mit dem Quellcode. Im Notfall kann man jede Datei aber auch mit einem externen Editor bearbeiten.

Clips

Oft verwendete Textbausteine wie z.B. DOCTYPE-Deklarationen oder Meta-Tags können als “Clips” gespeichert und jederzeit wieder eingefügt werden. Dabei wird zwischen globalen und Site-spezifischen Clips unterschieden.

Kollaboration

Dank der SubEtha-Engine kann man über das Netzwerk oder Internet gemeinsam am selben Dokument arbeiten. Durch verschiedene Farben erkennt man, wer welche Stellen bearbeitet hat und jede Änderung wird bei jedem Mitarbeiter sofort sichtbar. Diese Funktion kann äußerst praktisch sein, wenn man z.B. gemeinsam ein Layout umsetzen oder eine Web-Applikation programmieren möchte.

Vorschau

Mit der eingebauten Browser-Vorschau kann man sein Werk jederzeit betrachten. Nachdem diese Funktion auf Apples WebKit basiert, kann die Vorschau alles, was auch Safari kann. Zusätzlich dazu gibt es eine unverzichtbare Javascript Konsole und einen DOM Inspektor.

CSS

CSS Dateien kann man mit dem normalen Text-Editor bearbeiten oder aber auch mit dem speziellen CSS-Editor, der an eine “Light”-Version von CSSEdit erinnert. Formate sind mit wenigen Klicks definiert und die einzelnen Deklarationen übersichtlich nach Thema gruppiert.

Coda Screenshot: CSS Editor

Ich persönlich arbeite aber trotzdem lieber mit dem Text-Editor, da ich mit dem Keyboard viel schneller arbeiten kann, als mit der Maus-Keyboard Kombination. Die Auto-Vervollständigung erledigt den Rest. ;-)

Terminal

Das eingebaute Terminal ist für Entwickler sicher praktischer als für Designer. Mit einem Klick ist man per SSH mit dem Server verbunden und kann schnell Apache neu starten oder einen SQL-Query ausführen. Eine lokale Shell ist natürlich ebenfalls möglich.

Bücher

“Wie hieß schnell die Funktion, die XYZ zurückgibt?”

Panic hat in Coda die englischen “Web Programmer’s Desk References” über HTML, CSS und Javascript sowie den kompletten PHP Reference Guide eingebaut. Wenige Klicks und schon hat man komplette Syntax- und Funktionsbeschreibungen.

Fazit

Coda LogoPanic hat mit Coda ein solides Werkzeug geliefert, das eine echte Alternative zu den einzelnen, oben genannten Tools darstellt. Gegenüber Applikationen wie z.B. Dreamweaver punktet Coda mit der Ein-Fenster-Strategie, dem 100%igen Mac-Feeling und nicht zuletzt dem Preis. Besitzt man bereits eine Transmit-Lizenz, wird es nochmal etwas billiger.

Und es wurde erneut bewiesen, dass man das Rad nicht neu erfinden muss, um gute Software zu produzieren. Man muss es nur besser machen.